Carpe Diem. Nutze den Tag. Was davon soll ich nutzen, wenn sich die Alltagsroutine eingeschlichen hat? Was soll ich nutzen, wenn ich nicht weiß wie man aufsteht. Für sich selbst einsteht?

„Einen Sitzplatz am Fenster bitte“, sage ich während ich am Schalter stehe. Hinter mir eine lange Warteschlange. Vor mir eine sehr gestresste Angestellte, die ein Zahnpastalächeln aufsetzt und versucht meinem Wunsch nach zu kommen, auch wenn es ihr wahrscheinlich egal ist wo ich sitze. Ich sitze gerne am Fenster. Nicht weil ich gerne hinaussehe, sondern einfach um mich irgendwo anlehnen zu können. Meistens ist die Klappe sowieso unten, denke ich und dem Gesicht der Mitarbeiterin nach zu urteilen, hatte ich diesmal wohl Pech. Scheißegal sage ich mir selbst. Mir ist schwindelig. Mir ist heiß. Ich habe keine Lust mehr. Aber umdrehen ist nicht. Die Reise war nicht wichtig. Nichts war wichtig. Ruhe. Das ist alles was ich wollte. Ein Stück vom Himmel in meinem Bett. Das wollte ich.

Manchmal, da bin ich allein. Umgeben von so vielen Menschen. So vielen Worten und manchmal, ja manchmal sogar von vielen Blumen. Und doch, bin ich allein. Mit meinen Gedanken. Mit meinen Träumen. Mit allem und wiederum nichts. Ich starre aus dem Fenster und sehe nichts Neues. Ich sehe selten etwas Neues. Tagein, tagaus die gleichen langweiligen Gesichter, die gleichen langweiligen Gebäude. Ich wünsche mir, etwas Neues und gleichzeitig habe ich Angst. Angst vor Veränderung, Angst zu wachsen. Angst davor alles zu hassen, wenn es nicht beim Alten bleibt.

Carpe Diem. Nutze den Tag. Was davon soll ich nutzen, wenn sich die Alltagsroutine eingeschlichen hat? Was soll ich nutzen, wenn ich nicht weiß wie man aufsteht. Für sich selbst einsteht?

Allein. Wir kommen allein auf die Welt. Wir sterben allein. Allein sein. Das wird oft negativ behaftet. Aber ist es nicht schön? Sich selbst zu genügen? Nicht abhängig zu sein? Alle suchen die Liebe. Die einzig große und wahre Liebe. Hier eine neue Erkenntnis: Das bist du selbst. Du bist die Liebe deines Lebens. Denn nur du kannst deine Wünsche und Träume erfüllen. Datingplattformen. Abendessen. Heißer Sex. Einsamkeit. Wenn das Licht ausgeht und du weißt, dass du morgens alleine aufwachsen wirst, weil dein vermeintlicher Traumprinz sich vom Acker gemacht hat. Und du stehst morgens vor dem Spiegel, schaust andauernd auf dein Handy und es kommt keine Nachricht. Scheiße, denkst du dir, war wohl wieder nichts. Und dann geht das Ganze von vorne los. Obwohl du die Zeit nutzen könntest, um bei dir zu sein. Um dich nur um dich selbst zu kümmern.

Carpe Diem. Nutze den Tag. Was davon soll ich nutzen, wenn sich die Alltagsroutine eingeschlichen hat? Was soll ich nutzen, wenn ich nicht weiß wie man aufsteht. Für sich selbst einsteht? Ich sitze gerne am Fenster. Nicht weil ich gerne hinaussehe, sondern einfach um mich irgendwo anlehnen zu können.